Härzlig willkchomme

im Museum "zum Feld" in Reigoldswil
 

Euses Huus "zum Feld", weitere Informationen

Zur Baugeschichte von Paul Suter (aus dem Neujahrsblatt Nr. 1 aus dem Jahre 1985 der Gesellschaft zum Feld, Reigoldswil)

Das spätgotische Fenster in der Wohnstube des Erdgeschosses spricht für einen Bau des 16. oder 17. Jahrhunderts. Auf den Skizzen des Geometers Georg Friedrich Meyer (1680) und auf der Dorfansicht von Emanuel Büchel (1754) ist das Gebäude mit Sicherheit noch nicht verzeichnet. Nach längeren Nachforschungen im Staatsarchiv Baselland entdeckte ich schliesslich in den sogenannten „Holzbriefen“ (Gesuche im Lieferung von Bauholz“ ein Dokument, das über die Entstehung des Bauernhauses auf Feld genauen Aufschluss gibt. Am 13. November 1764 schrieb Obervogt Carl Kündig auf Schloss Waldenburg an die Basler Obrigkeit:
„Euer Gnaden Underthanen Daniel und Martin Schneider, Gebrüder von Reygotschwyl lassen (…) in aller Underthänigkeith vortragen, wie dass sie zwar bis dato von ihrer jüngsten Jugend an auf dasiger Mühlin erzogen worden und lehensweis daselbst haushäblich gesessen, wann aber dermahlen solche Mühlin durch Kauff in andere Händ gekomen und deren Besitzer sich selbst darauf setzen will, folglich sie gemüessiget seyen, abzuziehen. Als(o) haben sie sich in dem ganzen Dorf Reygotschwyl, als in dessen Bann sie ihre ligenden Güetter haben, um ein anderes Losament, allein vergebens umgesehen. Daher sie nothgetrungen Euer Gnaden in aller Underthänigkeith anflehen, ihnen die gnädige Permission zu ertheilen, auf einem Stückh Land hinter dem Dorf auf dem Gaisbrunnen (Gänsbrunnen) genant, welches sie dem Martin Plattner aberkaufft, eine neue Behausung zu erlauben. Es geströsten sich die Petenten, weilen die Gemeind, gegen welcher sie sich declarieret, so wohl den Fuhr- und Fahr- als auch den Fuessweg ohngehindert offen zu lassen, allerdings nichts darwider einzuwenden hat, ferners lassen sie die Petenten Euer Gnaden annoch dieses vortragen, dass sie zu Ersparung des Bauholzes den Tachstuehl des alten Pfarrhauses zu Bretzwyl erkauffet, selbiger aber seye so schlecht ausgefallen, dass sehr wenig davon zu gebrauchen, bitten dahero demütigst, auf den Fahl sie von Euer Gnaden erhöret und ihnen gnädigst willfahret werde, es möchten Hochdieselben geruhen, ihnen annoch Bauholtz gegen Erlegung der Stammlösin verabfolgen zu lassen.“
Aus dem in höflichem und servilen Ton abgefassten Schreiben geht Folgendes hervor:

Die Gebrüder Schneider hatten die Untere Mühle in Reigoldswil lehenweise inne gehabt. Da diese Mühle verkauft wurde und vom neuen Besitzer selbst betrieben werden sollte, suchten sie in Reigoldswil, wo sie liegende Güter besassen, ein Haus zu kaufen.Da diese Anstrengungen ohne Erfolg blieben, kauften sie ein Grundstück im Gaisbrunnen (lies Gänsbrunnen) und erhielten von der Gemeinde die Bewilligung zum Hausbau mit der Auflage, dass die daselbst vorbeiführenden Wege in den Rifenstein und nach Titterten offen bleiben müssten.Zur „Ersparung“ des Bauholzes hatten die Gesuchsteller den Dachstuhl des abgetragenen alten Pfarrhauses in Bretzwil gekauft, konnten aber nur wenig davon für den Hausbau verwenden. (Trotzdem nichts davon in dem Holzbrief vermerkt wird, kann angenommen werden, dass das spätgotische Fenstergewände im Erdgeschoss ebenfalls aus diesem Abbruch stammt!)Im Gesuch wird eine detaillierte Liste von Bauhölzern angefügt (u.a. Bauhölzer zu Spabäumen, Dachschwellen, Dachriegel, Legpfösten, Ladenbäumen, Sagbäumen und Rafen). Die Stammlöse (amtliche Gebühr für die Erlaubnis zum Schlagen des Holzes) betrug 14 Pfund 15 Schilling.Der Hausbau auf Feld fällt in das Jahr 1765, worauf die Wohnungen von den Familien der Gebrüder Schneider bezogen wurden. Die Bauzeit des neuen Pfarrhauses in Bretzwil fällt in die Jahre 1763/66. Im Kataster 1780 wird die Liegenschaft Feld, bestehend aus Wohnhaus, Scheune, Stallung und Wagenschopf, auf 600 alte Franken geschätzt.Im Brandlager des Jahres 1848 findet sich eine genauere Beschreibung: Doppelte Behausung mit zwei gemauerten Kellern, einer Einfahrt (auf der Hinterseite), darunter ein Schweinestall, daneben ein Holzschopf, alles zusammenhängend, jedoch die Oekonomie von der Behausung durch eine Giebelwand getrennt. Die Schatzung beträgt nun 5’000 Franken.Im Kataster von 1873 wird von einer „Hausreperation“ gesprochen. Es dürfte sich um den Anbau auf der Hinterseite handeln, für den nach mündlicher Überlieferung Bausteine auf der Ruine Rifenstein (vorderer Teil der Burg) gebrochen worden seien! Diese Erweiterung wurde notwendig, um Platz für die Aufstellung von Posamenterstühlen in beiden Wohnungen zu gewinnen. Der Anbau umfasste auch das Ökonomiegebäude, wobei die Einfahrt wegfiel, dafür aber eine Werkstatt Platz fand. Anstelle der Einfahrt brach man damals an der östlichen Giebelmauer eine viereckige Öffnung auf der Höhe der Heubühne aus und versah diese mit einem hölzernen Podium vor der Mauer, um das Abladen von Heu und Emd zu erleichtern. Die letzten Veränderungen der Liegenschaft fanden 1982 durch Anschluss an die Kanalisation des Dorfes und den Einbau einer WC-Anlage in der ehemaligen Posamenterstube des Erdgeschosses statt. Schon vorher, 1976, hatte die Besitzerfamilie der oberen Hälfte des Wohnhauses neben dem schon bestehenden Holzschopf eine kleine Futterscheune errichten lassen.

Über die Besitzer

Daniel Schneider

Alt Müller, 1730-1791, verheiratet 1954 mit Catharina Althaus, auf Feld von 1765-1791. Im Haus ebenfalls wohnhaft sein Bruder Martin, 1728-1802, verheiratet 1756 mit Anna Althaus.

Jacob Schmutz

1778-1840, verheiratet 1801 mit 1. Elisabeth Zehntner, 1785-1808, 2. 1809 mit Magdalena Mohler, 1776-1868. Die Letztgenannte besass das Wohnrecht auf dem Feld bis zu ihrem Tode; sie starb im Alter von 92 Jahren. Jacob Schmutz erwarb das Feld etwas vor 1810.

Jacob Schmutz

Geb 1805, verheiratet 1829 mit Maria Grünblatt, wanderte um 1853 mit Frau und zwei Töchtern nach USA aus.

Samuel Bader

1793-1870, verheiratet 1822 mit Barbara Schmutz, 1802-1865, Tochter von Jacob Schmutz, dem Älteren. Wohnhaft auf Feld von 1841-1858.

Johannes Probst

1828-1897, mit Dorfnamen Felder, verheiratet Mit Anna  Barbara Bader, 1831-1893, Tochter von Samuel Bader; Besitzer der unteren Hälfte des Hauses, auf Feld 1858-1894.

Hans Heinrich Probst

1828-1896, mit Dorfnamen Felder, verheiratet mit Elisabeth Bader, 1834-1910, Tochter von Samuel Bader; Besitzer der oberen Hälfte der oberen Hälfte des Hauses, auf Feld von 1858 an.

Johann Jakob Zehntner

Ledig, erwarb vor 1882 von Hans Heinrich Probst die obere Hälfte des Hauses (Datum unbestimmt), verkaufte sie 1882 an  Frau Elisabeth Probst-Bader.

Hans Heinrich Probst

Ledig, 1856-1945, übernahm 1884 von seiner Mutter, Elisabeth Probst-Bader, die obere Hälfte des Hauses. Er wohnte dort mit seinem Bruder Gotthard bis zu seinem Tode.

Johann Rudolf Plattner

1852-1932, verheiratet 1882 mit Ida Roth, 1863-1918, erwarb 1894 von Johann Probst-Bader die untere Hälfte des Hauses. Er war von Beruf Drechsler und Landwirt, auch eifriger Jäger.

Johann Rudolf Plattner

Ledig, 1885-1978, mit Dorfnamen Pluni-Ruedi oder Fäld-Ruedi, Landwirt, Jäger und Fischer, wurde 1932 durch Erbteilung Besitzer der unteren Hälfte des Hauses, auf Feld von 1894-1978.

Ernst Probst-Dettwiler

Schreinermeister in Pratteln, verkaufte die durch Erbteilung erhaltene obere Hälfte des Hauses 1944 an Hans Plattner-Rudin.

Annarös Bürgin-Plattner

Tochter von Hans Plattner-Rudin, wurde 1978 Besitzerin der oberen Hälfte auf Feld.

Die Johann Rudolf Plattner-Stiftung übernahm 1978 die untere Hälfte der Liegenschaft samt dem dazu gehörenden Grundbesitz und richtete die Wohnung als Heimatmuseum ein.